Kunstdrucke, Künstler, Kunst und mehr

Freitag, August 25, 2006

Originale Reproduktionen oder reproduzierte Originale?

Gibt es nicht, kann es schließlich gar nicht geben, so würde man sicherlich sofort auf eine entsprechende Frage antworten. Aber ganz so einfach stellt sich dieses Paradoxon nicht dar.

Wie schon in den beiden vorangegangenen Beiträgen zeigt sich hier die Grauzone der Kunst, in der sich die eigenständige und individuelle Kreativität mit der Notwendigkeit der Marktanpassung auseinandersetzen muss und vermischt.

Als (Parade-)Beispiel mag der Norweger Edvard Munch dienen. Dieser hatte die Angewohnheit, seine Bilder in mehreren Fassungen zu malen. So trifft man bei Übersichten und gerade in Online-Shops auf eine Reihe gleichnamiger Bilder, die sich nur in Nuancen unterscheiden (Beispiel). Da stellt sich nun die Frage: Ist jede dieser einzelnen Fassungen ein Original?

Technisch gesehen sicherlich, schließlich hat Munch (im Gegensatz zu Rembrandt, siehe dazu hier) selbst Hand angelegt und den Pinsel jedesmal von Neuem über eine leere Fläche geführt. (So jedenfalls stelle ich mir das vor.) Dementsprechend unterscheiden die Bilder sich zumindest in Nuancen, von der veränderten Farbabgleichung natürlich ganz zu schweigen.

Aber als Original bezeichnet man schließlich nicht nur die vom Künstler angefertigten Bilder, sondern im engeren Sinne ist das Original, nicht nur bei Bildern, sondern auch in der Literatur, die Urfassung eines Werkes. Sind also die späteren Fassungen unter diesen Gesichtspunkten weiterhin ebenso Originale? Oder muss man hier von reproduzierten Originalen sprechen bzw. dadurch, dass sie vom Künstler selbst geschaffen wurden von originalen Reproduktionen?

Eine Antwort auf diese Frage mag ich selbst nicht geben, denn alleine die Fragestellung selbst bietet sicherlich genug Zündstoff für ausufernde Diskussionen und sie lässt sich auf keinen Fall in einem Satz zusammenfassen.

Letztlich ist dieser Ansatz natürlich nur ein theoretischer Gedankenansatz, über deren Beantwortung sich vielleicht Fachleute Gedanken machen - oder überhaupt niemand.

Aber im Zuge der Wertdiskussion, muss man sich doch fragen, ob nun allen dieser Werke der gleiche Wert zugesprochen wird oder ob hier Unterschiede gemacht werden. An genau dieser Stelle tritt dann wieder die bereits diskutierte Frage nach "Markenartikel" (durch Künstlername) oder Einzelqualität eines Kunstwerkes auf.

Ich merke gerade, das war diesmal eine Menge Lesestoff, aber zum Wochenausklang darf man dies vielleicht mal. :-)

5 Kommentare:

  • Dein Artikel beschreibt eine zentrale Frage der Seriellen Malerei, so wie sie zum Beispiel Andreas Schiller (http://www.andreas-schiller.de/Andreas_Schiller/Serielle_Malerei/Apfel/index.php) - um einen aktuellen Künstler, der sich stark mit dieser Richtung beschäftigt zu nennen - betreibt. Und zwar: welcher Teil davon ist das Original? Das erste Bild? Jedes einzelne? Das technisch perfekteste?

    Die Antwort liegt auf der Hand: Das Gesamtwerk an sich ist das Original. Das Konzept die Kunst.

    Meint,
    Christian

    Autor: Anonymous Christian Schreiter, 28 August, 2006 23:25  

  • Ich muss leider zugeben: Serielle Malerei als Begriff ist Neuland für mich, aber ich werde mich schleunigst informieren.

    Was ich der Seite jedoch nicht entnehmen kann: Wird jedem seiner Bilder der gleiche Wert zugewiesen? (Darum drehte sich ja die Ausgangfrage meines Beitrages.) Oder gibt es hier Unterschiede?

    Autor: Blogger Oskar - Kunstdruck Laie, 30 August, 2006 13:38  

  • Hallo,

    jedes Bild hat innerhalb der Serie den gleichen Wert.

    Lg,
    Christian

    Autor: Anonymous Christian Schreiter, 30 August, 2006 13:57  

  • Das gefällt mir gut, denn da steckt für mich genau der Gedanke hinter, dessen Fehlen mich bei anderen Künstlern so irritiert hatte: Wenn allen Bildern der gleiche Wert zugewiesen wird, kann sich der Betrachter vollkommen subjektiv entscheiden, welche Form und Fassung ihm persönlich am Besten gefällt.

    Autor: Blogger Oskar - Kunstdruck Laie, 31 August, 2006 12:48  

  • Sehr seltsam ... in deinem Beispiel gibt es für die Munch-Bilder derselben Größe Preise von 22 bis 33 Euro. Offenbar scheint das Prinzip noch nicht angekommen zu sein bei denen, die die Preise für die Kunstdrucke errechnen.

    Obwohl mir eh schleierhaft ist, wonach das berechnet wird.

    Autor: Anonymous ysabelle, 01 September, 2006 11:20  

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